Kindermobilität im Fokus: So bewegen sich die Jüngsten

Wie bewegen sich Kinder im Alltag fort und wo stoßen sie an Grenzen? Passend zum Motto „Mobilität für alle Generationen“ erhalten Sie hier einen kompakten Überblick über die Mobilität von Kindern, ihre Wege und Bedürfnisse sowie die damit verbundenen Herausforderungen.

Children with rucksacks riding on bikes in the park near school. Pupils with backpacks outdoors

Foto: istock.com/LeManna

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Fähigkeiten wie Motorik, Konzentration, Reaktionsvermögen, soziales Verhalten und Selbstständigkeit entwickeln sich Schritt für Schritt – teilweise bis ins junge Erwachsenenalter hinein.

Gut zu wissen: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt mindestens 60 Minuten Bewegung mit mittlerer und hoher Intensität für Kinder pro Tag. In Österreich erfüllen rund 80 % der Kinder unter 18 Jahren diese Empfehlungen nicht. Der Bewegungsmangel bei Kindern kann zu gesundheitlichen Problemen wie Übergewicht führen und sich negativ auf die mentale Gesundheit auswirken.

Wie Kinder und Jugendliche den öffentlichen Raum wahrnehmen

Im Rahmen der Umfrage „Monitor Fußverkehr 2024“ in Deutschland wurden Kinder unter 14 Jahren befragt, was ihnen am Zu-Fuß-Gehen gefällt und was sie dabei als störend empfinden. Die Antworten waren erstaunlich konkret.

Am besten gefällt ihnen am Gehen der soziale Aspekt: Für rund 70 % ist die Möglichkeit „Freunde zu treffen“ die beste Eigenschaft am Zu-Fuß-Gehen. Für die jüngeren Kinder zwischen 6 und 7 Jahren sind zudem Spielmöglichkeiten wichtig (70 %), ältere Kinder zwischen 10 und 13 Jahren nennen auch „frische Luft“ relativ häufig (60 %).

Die Kinder haben auch angegeben, was sie am Zu-Fuß-Gehen stört. Die fünf häufigsten Störfaktoren sind:

  1. Nass werden – 56 %
  2. Hundehaufen – 43 %
  3. Dauert so lange – 39 %
  4. Zu viel Verkehr – 39 %
  5. Zu viel Dreck auf den Wegen – 37%

Weiters wurde Hitze bzw. Kälte, „Es ist anstrengend“, „Es ist langweilig“ sowie Baustellen und kaputte Wege häufig genannt.

Platz mit bunten kleinen Hockern.

Foto: AEA/Kathrin Chiu

Was lässt sich daraus ableiten? Kinder reagieren sensibel auf ihre Umgebung. Um sich beim Zu-Fuß-Gehen wohlzufühlen, benötigen sie eine saubere und verkehrsberuhigte Umgebung. Gleichzeitig schätzen sie die Gemeinschaft und die Möglichkeit, auf dem Fußweg mit Freund:innen zu plaudern. Ein spielerisch gestalteter und abwechslungsreicher Weg bringt bei Kindern besondere Pluspunkte.

Temporeduktion erhöht die Sicherheit

Jüngere Kinder erleben den Straßenverkehr völlig anders als Erwachsene: Sie sind kleiner und daher schwerer zu sehen. Außerdem können sie Entfernungen, Geräusche und Geschwindigkeiten noch nicht zuverlässig einschätzen. Ihr Risikobewusstsein ist geringer, sodass sie nicht immer bemerken, dass andere sie nicht sehen, auch wenn sie selbst alles gut wahrnehmen.

Das Tempo spielt daher bei der Sicherheit von Kindern im Straßenverkehr eine tragende Rolle. Geringere Geschwindigkeiten geben Kindern, wie auch anderen Verkehrsteilnehmenden, mehr Zeit zu reagieren und die Umgebung wahrzunehmen.

Gut zu wissen: Bei einer Temporeduktion von 50 auf 30 km/h halbiert sich der Anhalteweg von 26,8 Metern auf 12,9 Metern (KFV).

Kenntnisse über Verkehrsregeln bedeutet nicht automatisch, dass Kinder diese auch richtig anwenden können. Dafür fehlt ihnen oft noch das nötige Vorstellungsvermögen. Bis zum Alter von etwa zwölf Jahren lernen sie sicheres Verhalten im Straßenverkehr deshalb vor allem durch wiederholtes Üben im echten Verkehr. Ein verkehrsberuhigtes Umfeld fördert frühzeitig eine sichere, selbstständige Mobilität und gibt Ihnen die Möglichkeit zum Üben.

Großes Potenzial bei Schul- und Kindergartenwegen

Mädchen mit Schultasche fährt Roller auf einer ruhigen Straße, im Hintergrund viele Menschen vor einer Schule

Foto: BMIMI/Luiza Puiu

Der Weg zur Schule oder zum Kindergarten eröffnet Möglichkeiten für eine selbstständige und Aktive Mobilität von Kindern. Er bietet die Chance, sich mit Freunden auszutauschen und leistet einen Beitrag zur Erreichung der Bewegungsempfehlungen.

Aus dem Report Aktive Mobilität 2024 geht hervor, dass derzeit 48 % der Kinder unter 16 Jahren regelmäßig zu Fuß zur Schule oder Kindergarten gehen (n=807). Rund 27 % der Kinder fahren regelmäßig mit dem Fahrrad oder Roller zur Bildungseinrichtung.

Grafik aus dem Report Aktive Mobilität

Grafik aus dem klimaaktiv mobil Report Aktive Mobilität 2024 – BMIMI/Erdgeschoss

Gemeinden, Städte, Bildungseinrichtungen, Organisationen und engagierte Eltern können Kinder und Jugendliche dabei unterstützen. Angebote wie gemeinsame Geh- und Radgemeinschaften (Pedibus, Velobus) oder ein verkehrsberuhigter Bereich vor der Schule – zum Beispiel in Form einer Schulstraße – helfen Kindern, ihre Fähigkeiten auszubauen und selbstständig mobil zu werden.

Tipp: Wenn Sie mehr über das Thema Schulstraße erfahren möchten, können Sie auch das klimaaktiv mobil Webinar vom April 2026 hier nachschauen: Webinar

 

 

Quellen:

Sinus Institut, 2025: Monitor Fußverkehr 2024

klimaaktiv mobil, 2025: Report Aktive Mobilität 2024

WHO, 2020: WHO guidelines on physical activity and sedentary behaviour

KFV, 2023: Geschwindigkeitsüberwachung durch Gemeinden, Dossiert 2023

 

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