Aus der Praxis: Innsbruck zeigt, wie Straßen zu Lebensräumen werden können

Während der EUROPÄISCHEN MOBILITÄTSWOCHE 2025 hat Innsbruck eindrucksvoll gezeigt, wie nachhaltige Mobilität im Alltag sichtbar und erlebbar werden kann. Mit einem vielfältigen Programm aus Aktionen, Beteiligungsformaten und kulturellen Veranstaltungen brachte die Tiroler Landeshauptstadt Menschen aus allen Altersgruppen zusammen – von Schulkindern über Berufspendler:innen bis hin zu Senior:innen.

Superblocks Innsbruck

Erlebnisraum Superblock

Ein besonderes Highlight war der „Erlebnisraum Superblock“, der am 18. September stattfand.

Superblocks gelten international als vielversprechendes Konzept, um die Lebensqualität und Verkehrssicherheit zu erhöhen. Dabei werden mehrere Häuserblöcke zu einem größeren Quartier zusammengefasst. Der Durchzugsverkehr wird außen herumgeführt und die inneren Straßen werden für Fußgänger:innen und Radfahrenden geöffnet. Dadurch verringert sich der Verkehr im Viertel deutlich und es entsteht mehr Raum für Begegnung sowie neue Möglichkeiten für aktive und klimafreundliche Mobilität.

Innsbruck untersucht derzeit die Potenziale des Superblock-Konzepts und nutzte die EMW, um den Superblock zu testen und zu diskutieren: In einer interaktiven Ausstellung wurde gezeigt, wie Straßen zu lebendigen Aufenthaltsräumen werden können. Ein begehbares Bodenmodell, Poetry-Slam-Beiträge und Diskussionsrunden veranschaulichten die Themen Verkehrsberuhigung und Stadtgestaltung. Die Ausstellung präsentierte internationale Beispiele sowie erste Überlegungen für Innsbruck und lud die Besucher:innen ein, eigene Ideen einzubringen und direkt mit Expert:innen ins Gespräch zu kommen.

Superblocks Innsbruck
(c) Hans Friedrich

Mobilität gemeinsam erleben

Während der Mobilitätswoche wurde Innsbruck zur Bühne für klimafreundliche Fortbewegung und kreative Verkehrsideen. Eine Woche lang hatten Interessierte die Möglichkeit, neue Formen der Mobilität auszuprobieren, mitzudiskutieren und unmittelbar zu erleben. Zum Programm gehörten unter anderem:

  • ein Klimaticket-Testtag sowie eine kostenlose Innsbruck Card für klimafreundlich Anreisende,
  • Lastenrad-Testfahrten und eine Radlbörse,
  • Schulaktionen wie der Radlbus Fürstenweg und die Verkehrssicherheitsaktion „Äpfel & Zitronen“,
  • Repair-Workshops, Stadtteilspaziergänge und ein Radlkino,
  • sowie die Kidical Mass, bei der Kinder, Familien und Politik gemeinsam auf dem Rad unterwegs waren.
Radlkino
(c) Sarah Awad

Insgesamt nahmen rund 2.000 Menschen an den verschiedenen Veranstaltungen teil. Besonders stark vertreten waren Familien, Kinder und Jugendliche bei der Kidical Mass sowie Bewohner:innen des Stadtteils Saggen, wo eine autofreie Straße vor dem Schillerhäusl zu einem neuen sozialen Treffpunkt wurde.

Straßen neu denken

Stadtteilfreunde Saggen
(c) Luca Jänichen / Stadt Innsbruck

Ein zentrales Element der Europäischen Mobilitätswoche ist der Autofreie Tag, der in der Regel immer am 22. September stattfindet. Dieser wurde in Innsbruck unter anderem auf der Straße vor dem “Schillerhäusl” im Stadteil Saggen gefeiert und zu einem Begegnungsraum geöffnet. Eine Woche lang – und besonders am 22. September – gehörte der Straßenraum den Menschen: Nachbar:innen trafen sich zum Plaudern, Kinder spielten, Musik und Diskussionen füllten den öffentlichen Raum.

Die Aktion zeigt, welches Potenzial in temporären Verkehrsberuhigungen steckt und wie öffentliche Räume zu Orten der Begegnung, Erholung und Freizeit werden können.

Von der Aktionswoche zu langfristigen Maßnahmen

Die Stadt Innsbruck hat die Europäische Mobilitätswoche als Plattform genutzt, um auch zukünftige Mobilitätsprojekte zu präsentieren. Während der Woche wurden mehrere Maßnahmen angekündigt, die langfristig zur Förderung nachhaltiger Mobilität beitragen sollen.

Dazu zählen unter anderem:

  • neue Kurzparkzonen in Rossau sowie Mühlau/Arzl, um Dauerparken zu reduzieren und Raum für Geh- und Radinfrastruktur zu schaffen,
  • zusätzliche Stadtrad-Stationen in der Rossau und am Bahnhof Rum,
  • sowie die Einführung der ersten vollelektrischen Buslinie der IVB (Linie D) zwischen Mühlau und Hocharzl,
  • Planung und Überarbeitung von Schulweg Maßnahmen in Mühlau.
MÜHLAU SCHULWEG AKTION
(c) Sarah Awad

Diese Maßnahmen zeigen, wie die Europäische Mobilitätswoche als Rahmen für langfristige Veränderungen genutzt werden kann.

Erfolgsfaktor Zusammenarbeit

Ein wichtiger Erfolgsfaktor war die enge Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteur:innen. Bereits in der Planungsphase kamen Verwaltung, Verkehrsbetriebe, Tourismusorganisationen und zivilgesellschaftliche Initiativen zusammen, um gemeinsam Ideen zu entwickeln.

Das Ergebnis: eine Mobilitätswoche, die nicht nur informiert, sondern auch Emotionen, Begegnungen und konkrete Zukunftsbilder für die Stadt geschaffen hat.

Innsbruck beweist damit, wie nachhaltige Mobilität, Stadtentwicklung und Lebensqualität zusammenspielen können – und warum die Stadt zu den Finalist:innen des EUROPEANMOBILITYWEEK Awards 2025 zählt.

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