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Aus der Praxis: Wie Bytom mit wenig Geld eine gefährliche Straße beruhigte

Die Miarki-Straße in Bytom, Polen, war über Jahre hinweg durch hohe Fahrgeschwindigkeiten von bis zu 120 km/h und die damit einhergehenden Belastungen für die Anwohner:innen geprägt. Eine lokale Gruppe aus Bürgerinnen, Bürgern und Fachleuten entwickelte daraufhin ein Konzept zur Verkehrsberuhigung.

Bytom Kirchturm und Innenstadt

Neugestaltung des Verkehrs in der Miarki-Straße in Bytom

Die Miarki-Straße in Bytom, einer polnischen Stadt mit über 150.000 Einwohnern nahe Katowice, war über Jahre hinweg durch hohe Geschwindigkeiten, Lärm und ein erhöhtes Unsicherheitsgefühl geprägt. Zu Spitzenzeiten nutzten bis zu 1.400 Fahrzeuge pro Stunde die innerstädtische Straße, viele davon mit deutlich überhöhten Geschwindigkeiten, manche mit mehr als 120 km/h. Für die Anwohner:innen bedeutete das Lärmpegel von über 60 Dezibel und ein permanentes Gefühl von Unsicherheit.

Eine Gruppe engagierter Bürgerinnen und Bürger sowie städtischer Fachleute entwickelte daraufhin ein Konzept zur Verkehrsberuhigung, das europaweit Aufmerksamkeit erhielt und als eine der besten MOBILITYACTIONS 2021 nominiert wurde.

Kleines Budget mit großer Wirkung

Für die Umsetzung stand lediglich ein Budget von 15.000 Euro zur Verfügung. Ziel war es, ohne größere bauliche Eingriffe eine spürbare Verbesserung zu erreichen. Das Team bestehend aus lokal engagierten Bürger:innen und Verkehrsingenieuren setzte deshalb auf Maßnahmen, die schnell umsetzbar und dennoch wirksam sind. Dazu gehörte ein durchgehender Zweirichtungsradweg, ein zusätzlicher Zebrastreifen, eine gezielte Verengung der Fahrbahn durch neu geschaffene Parkplätze und eine leichte Krümmung der Fahrspur, die Autofahrende zum Abbremsen zwingt.

Bemerkenswert ist, dass all diese Veränderungen ausschließlich mit Farbe, Markierungen und Beschilderung umgesetzt wurden. Dadurch konnten schnell Verbesserungen erzielt werden ohne erhebliche Investitionen.

Obwohl die Lösungen kostengünstig waren, sind die Ergebnisse beachtlich:

  • Durchschnittlich 20 km/h weniger Geschwindigkeit
  • 400 Fahrzeuge pro Stunde weniger Durchgangsverkehr
  • spürbare Reduktion von Lärm und Abgasen für die Anwohner

Kommunikation und Durchhaltevermögen

Während der Planungs- und Umsetzungsphase gab es sowohl in Bürgerversammlungen als auch in sozialen Medien kritische Stimmen. Die Bewertung der Maßnahmen durch die Bevölkerung fällt mittlerweile sehr positiv aus.

Der Kern der Gruppe, der sich um das Verkehrsproblem in der Miarki-Straße gebildet hat, hat angegeben, sich weiterhin mit anderen Problemen in der Stadt zu befassen und ist zuversichtlich, dass solche Budgetlösungen im gesamten Stadtgebiet von Bytom und in anderen europäischen Städten wiederholt und kopiert werden können.

Erfahren Sie mehr auf der Seite der European Mobility Week

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