Jahresmotto 2026: „Mobilität für alle Generationen“
Aufbauend auf dem letztjährigen Motto „Mobilität für alle“ liegt der Fokus heuer auf einer fairen Mobilität für alle Generationen!
Faire Mobilität: Von Kind bis Senior:in
Das Motto 2026 steht fest: Mit „Mobilität für alle Generationen“ führt die EU-Kommission das erfolgreiche Motto „Mobilität für alle“ fort und setzt einen Fokus auf Mobilitätsarmut, Mobilitäts-Unabhängigkeit und sozialen Kontakt. Wir geben Ihnen in diesem Beitrag wichtige Hintergrundinformationen und Tipps für die heurige EMW.
Mobilitätsarmut in Österreich
Das Auto ist die kostenintensivste Art, alltägliche Wege zurückzulegen. Für Menschen mit geringem Einkommen spielt daher der Öffentliche Verkehr eine besonders wichtige Rolle. Doch fehlt ein verlässliches und gut erreichbares Angebot, wird der Zugang zu gesellschaftlichen Aktivitäten eingeschränkt.
Werden zudem Verkehrssysteme vor allem für den motorisierten Individualverkehr geplant, begünstigt das die Zersiedelung – also die die Ausdehnung der Siedlungsflächen. Geschäfte werden an den Ortsrand verlagert und das Zentrum verliert an Bedeutung. Die wohnortnahe Versorgung ist dadurch nicht mehr gegeben. Leistbare Mobilitätsformen, wie das Radfahren und das Zu-Fuß-Gehen sind nicht mehr möglich.
Gut zu wissen: Mobilitätsarmut bedeutet, dass Menschen wegen fehlender finanzieller Mittel oder mangelnder Verkehrsanbindung ihre täglichen Wege nicht gut bewältigen können. Wichtige Bedürfnisse können dadurch nicht erfüllt werden.
Wen betrifft Mobilitätsarmut in Österreich? Im ländlichen Raum sind es vor allem jene Personen, denen ein attraktives (ÖV-)Angebot fehlt. Im urbanen Raum sind es armutsgefährdete Personen, die sich das Angebot nicht leisten können – also überwiegend Kinder und Jugendliche sowie Senior:innen. Hinzu kommen unpraktische Fahrpläne für diese Zielgruppen und Hürden durch die fortschreitende Digitalisierung: Viele Mobilitätsangebote sind nur mehr per Smartphone nutzbar, und häufig wird eine Kreditkarte für die Bezahlung vorausgesetzt.

Gemeinden und Städte können hier gezielt gegensteuern: durch attraktive Angebote für Aktive Mobilität, einem gut ausgebauten Öffentlichen Verkehr, Bedarfsverkehre und Mitfahrgemeinschaften. Gleichzeitig sollte die Nahversorgung gestärkt werden. Je kürzer die Wege zu Supermarkt, Apotheke, Kindergarten oder Schule, desto eher werden sie zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt.
Tipp für ländliche Gemeinden: Leitfaden österREICHbar – örtliche Standortverbesserung in ländlichen Gebieten für mobilitätsarme Zielgruppen
Straßen und Plätze als Treffpunkte
Einsamkeit macht krank. Statistisch wird oft der Zusammenhang zwischen Alter und Einsamkeit hergestellt: Je älter wir werden, desto einsamer werden wir. Zwar sind ältere Personen öfter allein, aber sie geben weniger oft an, „einsam“ zu sein. Einsamkeit im Alter ist trotzdem immer noch ein relevantes Thema, doch auch junge Menschen sind zunehmend davon betroffen. Vor allem die Covid-19-Pandemie hat diesen Effekt verstärkt. Einsamkeit ist dementsprechend kein Randthema mehr und kann jede Person in jedem Alter treffen.

Darstellung: AEA basierend auf Statistik Austria 2025: „So geht’s uns heute“. Fragestellung: „Wie oft waren Sie während der letzten vier Wochen einsam?“, N = 3.847
Umso wichtiger ist es, Orte zu schaffen, an denen sich Personen aus allen Generationen treffen und verbinden können. Konkrete Angebote, wie das Plauderbankerl oder Mitgehbankerl, die Etablierung einer Wohnstraße oder öffentliche Feste in der Nachbarschaft (Grätzelfeste, Straßenfeste) regen dazu an, sich auszutauschen und geben vielleicht den nötigen Impuls, ins Gespräch zu kommen.

Schaffen Sie dazu auch gerade für Senior:innen mit gesundheitlichen Einschränkungen ein Angebot, damit sie diese Orte auch erreichen können. Auch hier spielt die Nahversorgung eine wichtige Rolle.
Förderung eines gesunden Lebensstils durch Aktive Mobilität
Egal ob für Jung oder Alt – mit der Förderung Aktiver Mobilität durch Aktionen und Angebote beeinflussen Sie langfristig die Gesundheit der Menschen Ihrer Gemeinde, Ihrer Schule, Verein oder Unternehmen.
Kinder profitieren beispielsweise von einem aktiven Schulweg, da sie bereits früh wichtige Muskeln aufbauen, ausgeglichener sind und konzentrierter den Unterricht meistern. Sie kommen damit der täglichen Bewegungsempfehlung von 60 Minuten pro Tag (WHO: 2020) ein großes Stück näher.
Senior:innen und Erwachsene können Haltungsschäden vorbeugen und ihre Knochen stärken, indem sie sich regelmäßig bewegen. Wenn Bewegung ganz selbstverständlich im Alltag verankert ist und Wege auf den Fuß- und Radverkehr ausgelegt sind, kommt die Bewegung von alleine. Die WHO empfiehlt Erwachsenen zumindest 150 bis 300 Minuten Bewegung pro Woche oder 75 bis 150 Minuten Bewegung höherer Intensität.
Jeder Weg beginnt zu Fuß
Beinahe jede Person geht täglich zu Fuß – für Kinder und Senior:innen ist das Zu-Fuß-Gehen häufig die primäre Mobilitätsform, daher sind sie besonders auf eine gute Infrastruktur angewiesen. Dazu gehören breite Wege für Kinderwagen und Rollatoren, gute Beleuchtung (z.B. auch bei Unterführungen) und direkte Wege ohne Umwege.
Gemeinden, die den Fußverkehr stärken möchten, können zahlreiche kostenlose Materialien und Anleitungen von Österreich zu Fuß nutzen.
Von senioren- und kindergerechten Wegen und Mobilitätsangeboten profitieren wir schlussendlich alle – Mobilität für alle Generationen.
Quellen:
VCÖ, 2018: Factsheet. Mobilitätsarmut nachhaltig verringern.
Statistik Austria, 2024: Armut (abgerufen am: 5.2.2026)
WHO, 2020: WHO Guidelines on Physical Activity and Sedentary Behaviour
Österreich zu Fuß: Gemeinden und Städte